
Swiss for Ukraine-Koordinatorin Aksinia Sinko begleitet einen kriegsversehrten Veteranen beim Reittherapie-Ausflug.
Vom Krieg gezeichnet.
Von Hoffnung getragen.
Bericht von Alexander Lüchinger
Auf meiner Ukraine-Reise im Juli habe ich bei unserem Freund und Swiss for Ukraine-Partner Ostap Lun erlebt, wie ich mithelfen konnte, hoch amputierten Veteranen beim therapeutischen Reiten Schritt für Schritt wieder Vertrauen in ihren Körper zu geben. Besonders eindrücklich war auch die Begegnung mit einem Evakuationsbus, der schwer verletzte Menschen von der Front in die Spitäler bringt. Es sind Bilder und Begegnungen, die bleiben – und die auch unsere Arbeit bei Swiss for Ukraine beeinflussen.
Mit unserem Kindergarten-Bus haben wir einen Weg eingeschlagen, den wir weitergehen möchten: Wir liefern nicht einfach Hilfsgüter in die Ukraine. Wir versuchen, sie hier in der Schweiz aufzuwerten und daraus etwas zu schaffen, das möglichst genau einem konkreten Bedürfnis vor Ort entspricht.
Beim Kindergarten-Bus ist uns dies bestens gelungen. Er wird intensiv genutzt und bringt Kindern in den vom Krieg gezeichneten Gebieten ein Stück Normalität, Sicherheit und Geborgenheit. Das macht uns Mut, diesen Weg mit weiteren Projekten fortzusetzen.
Inzwischen haben wir mehrere grössere und kleinere Busse erhalten. Aus einigen davon möchten wir weitere Kindergarten-Busse bauen. Ein Bus für den Transport von Menschen im Rollstuhl ist bereits fertiggestellt und wird demnächst in die Ukraine gebracht.
Ursprünglich war vorgesehen, diesen Bus zu einer mobilen Physiotherapie-Praxis umzubauen. Im Austausch mit unseren Partnern vor Ort zeigte sich jedoch, dass der Bedarf an geeigneten Fahrzeugen, die Patientinnen und Patienten zu bestehenden Therapieangeboten bringen, wesentlich grösser ist als der Bedarf an mobilen Therapieräumen. Also haben wir unser Konzept angepasst. Denn für uns zählt nicht, eine ursprüngliche Projektidee, um jeden Preis umzusetzen, sondern das zu schaffen, was tatsächlich gebraucht wird.
Das bereits gesammelte Material für den geplanten Physiobus haben wir einer Physiotherapie-Praxis in einem ukrainischen Spital übergeben. Darauf erhielten wir Dankesworte, die uns sehr berührt haben – und die zugleich nachdenklich stimmen, wenn es um die Qualität humanitärer Hilfe geht:
«Das ganze Krankenhaus ist gekommen, um sich alles anzusehen. Alles war perfekt. Wir waren angenehm überrascht. Die Handtücher waren sauber und ordentlich gefaltet. Wir haben mit humanitären Lieferungen schon ganz andere Erfahrungen gemacht. Es hat uns zu Tränen gerührt, dass wir so viele neue Sachen erhalten haben. Damit haben wir wirklich nicht gerechnet.»
Und nun wartet eine grosse Herausforderung auf uns: Wir möchten einen Ärzte-Bus bauen, der dorthin fahren kann, wo medizinische Hilfe besonders dringend gebraucht wird. Einen Bus, in dem Menschen untersucht und behandelt werden können – auch dort, wo die medizinische Infrastruktur durch den Krieg beschädigt wurde oder kaum noch vorhanden ist. Damit möchten wir einen weiteren kleinen Beitrag leisten, die körperlichen und seelischen Narben dieses Krieges zu versorgen.
Die Latte liegt hoch – technisch wie finanziell. Denn was ich in der Ukraine gesehen habe, ist professionell, von hoher Qualität, anspruchsvoll und mit grosser Sorgfalt gebaut. Genau diesem Niveau wollen wir auch mit unseren Projekten gerecht werden.
Nicht einfach etwas schicken, sondern etwas schaffen, das wirklich gebraucht wird und langfristig hilft.
Aus Respekt vor den Menschen in der Ukraine.